Prozessionen der Karwoche in Mendrisio: Kandidatur für das immaterielle Kulturerbe der UNESCO

Karfreitag: Kinder mit «Transparenten»

© Adriano Heitmann

Es ist dies die vierte Kandidatur der Schweiz. Die UNESCO wird voraussichtlich im November 2019 über den Eintrag dieser lebendigen Tradition entscheiden.

Die religiösen Prozessionen von Mendrisio finden jedes Jahr am Gründonnerstag und am Karfreitag statt und ziehen Tausende Zuschauerinnen und Zuschauer an. Die Prozession vom Gründonnerstag ist einer Darstellung der Leiden Christi und des Kreuzwegs gewidmet, die von etwa 270 Laiendarstellerinnen und -darstellern aufgeführt wird. Die Karfreitagsprozession ist schlichter und feierlicher. An ihr nehmen jeweils 700 Einwohnerinnen und Einwohner, Erwachsene und Kinder, teil. Sie tragen verschiedene religiöse Objekte und ziehen begleitet von drei Musikgesellschaften durch die Strassen.

Während den Prozessionen gehen in der Stadt die Lichter aus. Nur noch der Schein der Trasparenti beleuchtet die Strassen. Die Bilder werden auf durchscheinende Leinwände gemalt, auf Holzrahmen montiert und von innen beleuchtet. Die Trasparenti, die seit dem 18. Jahrhundert nach einem speziellen Verfahren hergestellt werden, sind eine Besonderheit der Prozessionen. Die Weitervermittlung dieser Fertigkeit, sei es für die Restaurierung hundertjähriger Objekte oder die Herstellung neuer Werke, bildet ein zentrales Element der Kandidatur.

Das Bundesamt für Kultur (BAK) und die Fondazione Processioni Storiche di Mendrisio haben das Kandidaturdossier gemeinsam vorbereitet. Nach einem mehrmonatigen Evaluationsverfahren wird die UNESCO voraussichtlich im November 2019 über den Eintrag dieser Tradition in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit entscheiden.

Die Schweiz ist auch beteiligt an der trinationalen Kandidatur des Alpinismus, die ebenfalls in diesem Jahr bei der UNESCO eingereicht wird. Das Dossier wird von Frankreich betreut und wurde gemeinsam von italienischen, französischen und Schweizer Bergsteiger- und Bergführervereinen erstellt. Der Schweizer Alpenclub und der Schweizer Bergführerverband haben die Schweizer Teilnahme mit der Unterstützung des BAK lanciert.

(Quelle: Bundesamt für Kultur)